EDITORIAL Neujahr 2026 – Wird es ein Jahr der Entscheidung?
Montag, 05. Januar 2026
Info 01-26

Neujahr 2026 – Wird es ein Jahr der Entscheidung?

Jeder Jahreswechsel folgt ja – leider oder zum Glück – sich immer wiederholenden Ritualen: Bleigießen, Feuerwerk und der Diskussion darum, ob es für das Individuum nicht besser abzuschaffen sei, gefüllten Notaufnahmen, Jahresendansprachen der Repräsentanten von Politik und Gesellschaft und nicht zuletzt dem Aufruf, dass es im kommenden Jahr alles besser werden würde oder müsse. Persönliche Vorsätze sind hier noch gar nicht eingeschlossen. Allerdings wissen wir zumindest von denen, dass sie in der Regel kaum den kurzen Januar überstehen.
Zäsuren, auch wenn sie nur aus wenigen Feiertagen bestehen, haben ihr Gutes. Führen sie doch gleichsam zu einer Stretta davor, zur Möglichkeit die Themen mit etwas Abstand zu betrachten und der Möglichkeit danach mit neuem Schwung an eine Lösung heranzugehen. An vorgezeichneten Themen fehlt es uns in der Gesundheitspolitik für 2026 wirklich nicht.

Nach langer Vorbereitung muss die Krankenhaus-Reform in diesem Jahr endlich Fahrt aufnehmen. So unterschiedlich die Zeitpläne in den einzelnen Bundesländern auch sein mögen: in diesem Jahr müssen die Leistungsgruppen zugeordnet werden. Dazu wäre es mehr als hilfreich wenn die grundlegende Bundesgesetzgebung tatsächlich im 1. Quartal endgültig beschlossen wäre. Es wird einiger Anstrengung bedürfen diese Ziel zu erreichen, die Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestages unmittelbar vor Weihnachten lässt allerdings hoffen. Der am gleichen Tag in Berlin gefundene Kompromiss zu den Krankenhausfinanzen wird allerdings vielen Geschäftsführern weiterhin die Sorgenfalten auf die Stirn zeichnen, mit weiteren Insolvenzen ist 2026 wohl zu rechnen.
Auch unsere Selbstverwaltung ist gefragt in den anstehenden Prozessen zur Lungenkrebs-Früherkennung, der Diagnostik beim Prostatakarzinom und der Weiterentwicklung der Hybrid-DRGs den Konfrontationskurs aufzugeben und Kompromisse zu finden. Nicht zuletzt ist die innerärztliche Diskussion um die Weiterentwicklung der Weiterbildungsordnung entscheidend für unsere künftige Gesundheitsversorgung.

Nach der Verabschiedung auf dem Deutschen Ärztetag 2025 liegt der Entwurf für eine GOÄ-Reform inzwischen zur Bearbeitung im BMG. Bundesärztekammer und PKV-Verband werden dabei nicht müde Eile in der Umsetzung anzumahnen. Vom Ministerium ist ein Referentenentwurf für die Jahresmitte angekündigt worden. Die BÄK hat dazu die Verbände im Vorfeld nochmals zu Gesprächen eingeladen, der Termin der Radiologie ist am 25. März. Dabei können uns die bisherigen, eher geringeren Anpassungen keineswegs zufriedenstellen. Die Abwertung der Radiologie um 30% ist für uns nach wie vor nicht akzeptabel und wir werden gemeinsam mit der DRG alle Kanäle nutzen hier Verbesserungen zu erreichen. Wahrnehmung unserer Sorgen haben wir in Berlin zumindest bereits erreicht.

Der BDR selbst steht vor der größten Reform seiner jüngeren Geschichte. Bei der Delegiertenversammlung wird eine umfassende Beitragsreform zur Abstimmung gestellt. Dabei wird es erstmals Praxisverbünden möglich sein als Ganzes mit allen Versorgungsaufträgen dem Verband beizutreten. Hierüber und durch die verstärkte Zusammenarbeit mit dem Forum Junge Radiologie der DRG soll die Basis unserer berufspolitischen Vertretung entscheidend gestärkt werden. Die Ereignisse des vergangenen Jahres haben gezeigt, dass wir unsere Präsenz weiter verbessern und ausbauen müssen. Hierzu wird im März in Berlin der Grundstein gelegt werden. Die Reform bedarf der Anpassung unserer Satzung, zudem stehen Wahlen zum Bundesvorstand an. Die Delegiertenversammlung wird also ein volles Programm zu bewältigen haben, aber entscheidende Weichen für die Zukunft unseres Verbandes stellen.

Auch wenn es ebenfalls wie ein typischer Jahresauftaktsaufruf klingt: ich wünsche Ihnen allen ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr, verbunden mit der Bitte den BDR in diesem wirklich entscheidungsträchtigen Jahr weiterhin zu unterstützen. Lassen Sie uns gemeinsam 2026 zu einem erfolgreichen Jahr für die Radiologie machen!  

Prof. Dr. Hermann Helmberger
Präsident