EDITORIAL D. Wujciak - Altersfeststellung - Die Radiologen sollen es richten?
Freitag, 12. Januar 2018
Info 1-18

Wie Sie aus der  sechsseitigen Stellungnahme der Zentralen Kommission zur Wahrung ethischer Grundsätze in der Medizin und ihren  Grenzgebieten (Zentrale Ethikkommission) bei der Bundesärztekammer erkennen können, ist die Rechtslage durchaus komplex. Zusammenfassend läuft es darauf hinaus,
dass der zu Untersuchende rechtswirksam in die Röntgenbestrahlung zum Zwecke der Altersbestimmung einwilligen muss, bzw. kann". Natürlich kann er die Untersuchung auch verweigern, womit sich die Probleme wieder außerhalb der Radiologie befänden.

In der inhaltlichen Betrachtung wird hier zunächst auf die Methodik zur
Abschätzung des Knochenalters an Hand einer Röntgenaufnahme der Hand in einer Ebene eingegangen, z.B. nach dem Atlas von Thiemann oder der Methode nach Tanner / Whitehouse. Es handelt sich hier um eine Feststellung von Reifungskriterien und Ermittlung von Maßen, welche mit Tabellen einer Durchschnittsermittlung bei der kaukasischen Rasse verglichen werden. Allein in Kenntnis der biologischen Varianz und im Hinblick auf die Reifungskriterien bei anderen Ethnien, welche nach unserer Kenntnis nicht vorliegen, ist die Methode mit einer Unschärfe behaftet. Eine wohl gewünschte rechtsichere Feststellung des Alters zwischen 17 11/12 Jahren und 18 1/12 Jahren ist somit nicht möglich.
Eine weitere Ausweitung der radiologischen Methoden, wie z.B.  von
forensischen Kollegen empfohlen, mit Computertomographie im Bereich der Sternoclavicular- oder Sternocostalgelenke, dürften aufgrund der
deutlich höheren Dosis und der Nähe zum Körperstamm nicht in Frage kommen.

In wieweit die im Hinblick auf die rechtssicher genaue
Fragestellung der Altersbestimmung unserer diesbezüglich "unscharfen"
Methode durch Anwälte angreifbar sind, kann sich jeder vorstellen.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, das die Rechtslage durchaus komplex ist und die Einwilligung des zu Untersuchenden vorliegen muss.
Die Unschärfe der radiologischen Altersbestimmung anhand des
Handskelettes dürfte eine Schwankungsbreite von mindestens einem Jahr aufweisen. Damit kann Rechtssicherheit im Sinne der Fragestellung nicht erreicht werden. Das Vorliegen von Vergleichsdaten anderer Ethnien wird hier zunächst in Zweifel gezogen. Eine Ausweitung radiologischer Methoden zum Zwecke der Altersbestimmung, z.B. mit  Computertomographie im Bereich des Körperstamms ist aus strahlenschutzrechtlichen Gründen nicht zu empfehlen.

Der BDR empfiehlt seinen Mitgliedern und Kollegen insofern eine
Zurückhaltung in der Anwendung dieser Methodik.