Prostatakrebs: Cyberknife, MR-Linac oder Standardbestrahlung?
Freitag, 15. März 2024
Eine Information des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ)

Bei der Bestrahlung von Prostatakrebs gibt es unterschiedliche Techniken und Geräte. Welche Strahlentherapie ist die beste? Wir ordnen den Stellenwert einer Behandlung mit Cyberknife® oder MR-Linac ein.


Das Cyberknife® ist ein beweglicher Linearbeschleuniger, mit dem auch hohe einzelne Strahlendosen sehr gezielt verabreicht werden können. Es wird bei Prostatakrebs zunehmend eingesetzt. © Danish Khan, AdobeStock


Unsere Antwort

Die Begriffe "Cyberknife" und "MR-Linac" sind Bezeichnungen für spezielle Strahlentherapie-Geräte, die eine sehr zielgenaue Bestrahlung ermöglichen.

Strahlentherapeuten setzen sie beispielsweise ein, um "extrem hypofraktioniert" bestrahlen zu können: also dann, wenn sie bei insgesamt weniger Bestrahlungssitzungen den Tumor pro Bestrahlungstermin mit einer höheren Dosis als bei einer sogenannten Standardfraktionierung bestrahlen möchten.

Die Methode der extremen Hypofraktionierung mit Cyberknife® oder MR-Linac ist bei Prostatakrebs noch kein Standard: Das liegt daran, dass die Wirksamkeit und die Nebenwirkungen bei diesen Verfahren anhand der verfügbaren wissenschaftlichen Daten noch nicht abschließend beurteilbar sind.

Die bei Prostatakrebs empfohlenen Verfahren für eine Strahlentherapie finden Sie unter Bestrahlung bei Prostatakrebs.
Trotzdem gibt es entsprechend ausgestattete Kliniken oder Zentren, die eine Bestrahlung mit Cyberknife® oder MR-Linac – auch außerhalb klinischer Studien – anbieten. Der Grund: Bei gleicher onkologischer Tumorkontrolle erhoffen sich Ärztinnen und Ärzte durch die zielgenauere Therapie weniger Nebenwirkungen für Patienten.

Wenn Sie unsicher sind, welche Bestrahlung in Ihrer individuellen Situation die Beste ist, sprechen am besten nochmal mit Ihrem Urologen darüber: Er kann am besten beurteilen welche Strahlendosis und Fraktionierung für Sie empfehlenswert ist und ob die Bestrahlungstechniken mit Cyberknife® oder MR-Linac beziehungsweise die Teilnahme an einer klinischen Studie in Ihrer persönlichen Erkrankungssituation sinnvoll ist.

Im Folgenden haben wir Erklärungen und Hintergrundinformationen zu den verschiedenen Bestrahlungstechniken für Sie zusammengestellt.


So unterscheidet sich die Standard-Bestrahlung von Cyberknife® oder MR-Linac

Bei der sogenannten "perkutanen Bestrahlung" eines Prostatakarzinoms wird die Prostata von außen durch die Haut bestrahlt. Fachleute empfehlen dafür eine sogenannte intensitätsmodulierte (englisch für "intensity modulated radiotherapy", kurz: IMRT) und bildgeführte (englisch für "image-guided radiotherapy", kurz: IGRT) Strahlentherapie-Technik.

Das bedeutet: Unter Kontrolle mit einem bildgebenden Verfahren (IGRT) werden verschiedene Bereiche der Prostata unterschiedlich stark bestrahlt (IMRT).
Bei einer perkutanen Strahlentherapie nach Leitlinie (IMRT-IGRT) erzeugt ein sogenannter ortsfester Linearbeschleuniger die hochenergetischen Strahlen für die Therapie.

Vorab machen Ärzte eine genaue Planung. Dafür werden in der Regel CT-Aufnahmen genutzt, manchmal auch ergänzt durch MRT-Aufnahmen. Mit diesen Bildern vom Körperinneren kann das Bestrahlungsteam die Lage des Tumors bestimmen und die Größe des Bestrahlungsfeldes berechnen.
Vor jedem Bestrahlungstermin prüft das Bestrahlungsteam, die Lage des Patienten. Außerdem wird der Patient mithilfe einer beweglichen Bestrahlungsliege möglichst passgenau im Bestrahlungsbereich positioniert.
Durch eine Bildgebung unmittelbar vor der Bestrahlung (meist mittels CT) kann auch die Füllung der Blase und des Mastdarms erfasst und – falls notwendig – die Lage des Patienten dementsprechend korrigiert werden
Die Therapie selbst wird in der Regel über mehrere Wochen durchgeführt: In 5 Sitzungen pro Woche wird der Tumor für wenige Minuten bestrahlt. Die Strahlendosis liegt bei etwa 1,8 bis 2 Gray pro Sitzung, die gesamte Strahlendosis nach dem Behandlungszeitraum zwischen 74 und 80 Gy. Der Fachbegriff für dieses Vorgehen lautet "(normo)fraktionierte Strahlentherapie" oder "Standardfraktionierung".
Perkutane Bestrahlung mit Cyberknife®: Anders als bei der Standardtherapie ist die Strahlenquelle bei diesem Verfahren in alle Richtungen beweglich. Das Cyberknife® ist also im Grunde ein kleiner Linearbeschleuniger, der auf einem Roboterarm montiert ist. Dadurch ist eine hochpräzise Bestrahlung möglich. Beim Prostatakarzinom wird der Begriff "Cyberknife" in der Regel auch gleichgesetzt mit einer extrem hypofraktionierten Bestrahlung.

Wie bei der IGRT-Standardtherapie findet beim Cyberknife eine Bildgebung meist mittels CT vorab zur Planung statt. Außerdem werden gleichzeitig mit der Bestrahlung Bilder aufgenommen und der Bestrahlungsbereich entsprechend angepasst.
Für die Strahlentherapie mit Cyberknife® werden die Patienten häufig besonders vorbereitet: Ärzte markieren den Bestrahlungsbereich unter Ultraschallkontrolle in der Regel mit 3 bis 4 kleinen Gold-Partikeln (Durchmesser 0,5 Millimeter), beispielsweise durch eine Punktion mit einer Nadel über den Damm. Das ist ein eigener, kleiner Eingriff, der ambulant stattfinden kann. Dadurch lässt sich die Lage des Tumors in der Prostata genauer bestimmen und mehr gesundes Gewebe um die Prostata wird geschont.
Die eigentliche Bestrahlung dauert etwa 30 bis 90 Minuten. Während der Bestrahlung bewegen sich sowohl die Strahlenquelle (über den Roboterarm) als auch die Patientenliege – entweder gleichzeitig oder nacheinander. Weil die Bestrahlung direkt bildgeführt stattfindet, kann das Bestrahlungsfeld an die aktuelle Lage der Prostata anpasst werden.
Der Behandlungszeitraum ist bei der extrem hypofraktionierten Bestrahlung mit 1 bis 2,5 Wochen kürzer als bei der Standardstrahlentherapie und die Strahlendosis pro Sitzung höher (etwa 4 bis 10 Gy). Die Anzahl der Sitzungen und die Strahlen-Gesamtdosis über den gesamten Behandlungsraum ist aber geringer.
Bei einer perkutanen Strahlentherapie mit dem MR-Linac ist der Linearbeschleuniger mit einem MRT-Gerät kombiniert.

Nicht überall in Deutschland verfügbar
MR-Linacs werden bisher überwiegend in der Forschung eingesetzt und sind daher bisher nur an wenigen großen Zentren verfügbar.

Sowohl vor als auch während der Behandlung lässt sich der Tumor im Kernspin (MRT) darstellen. Es handelt sich also wie bei der Bestrahlung mit Cyberknife® und der Standardtherapie auch hier um eine bildgeführte Strahlentherapie (IGRT).
Weil hierbei für die tägliche Lagekontrolle der Bestrahlungsposition des Patienten statt einer Computertomographie eine MRT genutzt wird, entfällt die Strahlenbelastung durch Computertomographie.
Wie bei der Bestrahlung mit einem Cyberknife® ist ein Vorteil des MR-Linac, dass die Patienten eine höhere Strahlendosis pro Sitzung erhalten können, da das MRT eine gute anatomische Kontrolle gewährleistet. Gleichzeitig ist die Gesamtstrahlendosis geringer und der Behandlungszeitraum kürzer als bei der Bestrahlung nach Leitlinie. Eine Sitzung dauert hier etwa 20 bis 45 Minuten.


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